18.03.2017: Rede­bei­trag anläss­lich der Demons­tra­ti­on im Rah­men des inter­na­tio­na­len Akti­ons­ta­ges gegen das euro­päi­sche Grenz­re­gime

Lie­be Genoss*innen, lie­be Sympathisant*innen, lie­be Rei­sen­de hier am Flug­ha­fen,

mit gro­ßer Wut sind wir heu­te hier, um gegen Abschie­bun­gen zu pro­tes­tie­ren – Abschie­bun­gen, von denen wir hier in Deutsch­land betrof­fen sind. Und wir sind hier, um die Miss­stän­de im Bereich der Gesund­heits­ver­sor­gung anzu­pran­gern. Miss­stän­de, denen wir aus­ge­lie­fert sind und die wir ertra­gen sol­len.

Wir sind trau­ma­ti­siert und wir leben in Angst und wir haben kei­nen Zugang zu einer ange­mes­se­nen Gesund­heits­ver­sor­gung. Das Recht, in die Schu­le zu gehen und das Recht auf eine men­schen­wür­di­ge Unter­kunft wer­den uns ver­wei­gert. Und das nur, weil wir Geflüch­te­te sind. Aber: Geflüch­tet zu sein ist kein Ver­bre­chen!

Wir for­dern, dass die Men­schen­rech­te respektiert/ ein­ge­hal­ten (!) wer­den- Wir sagen NEIN zu Ras­sis­mus, NEIN zu Dis­kri­mi­nie­rung, NEIN zu Abschie­bun­gen. Stop depor­ta­ti­on!

Aber: Wir sagen JA zu einer Gesund­heits­ver­sor­gung für alle, JA zur Kran­ken­ver­si­che­rung für alle und JA zum Blei­be­recht für alle! Des­we­gen sind wir heu­te hier, um Ber­lin zur soli­da­ri­schen Stadt zu erklä­ren. Ber­lin als „Soli­da­ri­ty City“! Ber­lin bleibt soli­da­risch!


Rede­bei­trag von Respect Ber­lin

Lie­be Genos­sin­nen und Genos­sen!

Wir sind von respect: eine Grup­pe von Frau­en, vor allem Migran­tin­nen aus latein­ame­ri­ka­ni­schen Län­dern. Heu­te sind wir hier, um Euch zu sagen, dass in die­sem Land vie­le Frau­en in der Ille­ga­li­tät leben, vie­le Frau­en, die Häu­ser rei­ni­gen und Kin­der betreu­en. Frau­en ohne Auf­ent­halts­sta­tus kom­men in der Sta­tis­tik nicht vor. Wir sind Frau­en, die Tag für Tag arbei­ten, aber kei­nen Urlaub machen kön­nen, nicht in eine Sprach­schu­le gehen kön­nen, und kei­ne Woh­nung mie­ten kön­nen, und die kein Recht auf Gesund­heit haben.

Aber wir sind hier, wir leben unter euch und wir tra­gen zur Wirt­schaft die­ses Lan­des bei. Dank unse­rer Arbeit kön­nen vie­le deut­sche Frau­en aus der Mit­tel­klas­se arbei­ten gehen, wäh­rend wir uns um ihre Kin­der küm­mern. Wir sor­gen auch für die Älte­ren, und dank unse­rer Arbeit sind vie­le Büros und Woh­nun­gen sau­ber.

Wir sind hier, um gegen Abschie­bun­gen und Abschie­be­ge­fäng­nis­se zu pro­tes­tie­ren. Und wir pro­tes­tie­ren gegen die Kri­mi­na­li­sie­rung von Flücht­lin­gen und Ille­ga­li­sier­ten.

Wir wol­len euch sagen, dass kein Mensch ille­gal ist. Wir sagen, dass das Recht auf Asyl ein Men­schen­recht ist, und wir uns dadurch nicht spal­ten las­sen. Wir wer­den für unse­re Rech­te kämp­fen, Flücht­lin­ge und Migran­tin­nen gemein­sam. Wir sind hier, weil es eine Geschich­te des Kolo­nia­lis­mus gibt, unter deren Fol­gen wir bis heu­te lei­den. Wir sind hier, und wer­den immer wei­ter kom­men, so wie Eure Unter­neh­men in unse­re Län­der kom­men. Von Mau­ern und Gren­zen las­sen wir uns nicht auf­hal­ten!

Wir sind hier, und kämp­fen für genau die Men­schen­rech­te, die Deutsch­land und Euro­pa so ger­ne ver­tei­di­gen und pro­pa­gie­ren: das Recht auf ein Leben in Wür­de, das Recht auf Gesund­heit und das Recht, in Frie­den zu leben!

Das Leben in der Ille­ga­li­tät macht krank, in einem Flücht­lings­la­ger zu leben macht krank, und Abschie­be­haft macht krank!

Wir sind der­zeit in einem Bünd­nis namens Soli­da­ri­tät City. Flücht­lin­ge, Ille­ga­li­sier­te und anti­ras­sis­ti­sche Deut­sche haben gemein­sam eine Kam­pa­gne ins Leben geru­fen: für den Zugang zur Gesund­heits­ver­sor­gung für Men­schen ohne Papie­re und für eine men­schen­wür­di­ge Gesund­heits­ver­sor­gung für Flücht­lin­ge.

Wir haben genug von Ras­sis­mus und Unge­rech­tig­keit!

Stoppt die Abschie­bun­gen, kein Mensch ist ille­gal!